Bier und Bratwurst als tödliche Waffen?

Jedes mal, wenn ich die Nachrichten sehe, frage ich mich: Wieso machen eigentlich nicht viel mehr Menschen Yoga? Wieso gibt es immer noch Menschen die nicht regelmäßig meditieren?

Schau mal her: Wir leben in eine Gesellschaft, in der die meisten Krankheitstage durch die sogenannten Lifestyle-Krankheiten verursacht werden. So meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2015 das jedes Jahr 16 Millionen Menschen vorzeitig sterben durch die Folgen von Rauchen, Alkohol und falscher Ernährung. Laut WHO ist dies eine „langsam fortschreitenden Katastrophe für die öffentliche Gesundheit“ (WHO, wie z.B. zitiert in der Presse ).

Obendrein sterben in Deutschland relativ viele Menschen an Herzkrankheiten. Laut OECD mehr als zum Beispiel in den Vereinte Staaten oder Groß-Britannien. Auch hier spielen die Lifestyle-Krankheiten eine wichtige Rolle; in Deutschland vor allem Übergewicht und Rauchen (OECD wie zitiert in z.B. The Local)

Also, Bier und Bratwurst als tödliche Waffen? Achtung, nicht nur die falsche Ernährung macht krank. Als Gesellschaft sind wir kollektiv in die Zeitfalle geraten und dadurch chronisch überfordert. Das seelische Wohl geht den Bach runter und Stress wird so rasch zur Volkskrankheit Nummer eins (Focus).

Dabei heißt es auch, dass „die Menschheit mit Depressionen kämpft. Die psychische Krankheit zählte nur in vier Ländern nicht zu den zehn häufigsten Ursachen für Erkrankungen“ (Der Spiegel). Und „nach epidemiologischen Studien gehören psychische Erkrankungen zu den häufigsten und auch kostenintensivsten Erkrankungen“ (DAK-Gesundheit).

Dieser Überblick reicht, denke ich. Demgegenüber belegen unzählige wissenschaftliche Studien, dass Yoga, Achtsamkeit und Meditation sehr viele positive Wirkungen zeigen. Vor allem auf die Lifestyle-Krankheiten, auf Übergewicht, Burn-Out und Depressionen.

Daher meine Frage: Wieso machen eigentlich nicht viel mehr Menschen Yoga? Wieso gibt es immer noch Menschen die nicht regelmäßig meditieren?

Anders gesagt und gefragt: Wie lernen wir als Gesellschaft erneut, gut für uns selber zu sorgen. Für Körper, Geist und Seele?

Bratwurst-Bild (Ausschnitt)von Stachelbeer

 

 

Dein Affengeist im Griff

Kennst du das? Unzählige Gedanken, Gefühle, Emotionen taumeln im Teufelskreis in deinem Geist herum. Weißt du, was das ist, dieses ständige Geplapper in deinem Kopf? Das ist dein Affengeist.

Bestimmt magst du das nicht, diese Unruhe, dieses Getue. Es muss aufhören. Ruhe da oben! Aber es hört nicht auf. Bitte, Hilfe. Wo ist der Herunterfahren-Taste? Wo ist der Aus-Knopf?

Die schlechte Nachricht: der Aus-Knopf gibt es nicht… und die Wunderpille für Instant-Glück auch nicht.

Aber, du kannst deinen Affengeist trainieren. Affengeist-Dressur, sozusagen. Besser bekannt als Meditation. Meditation tut gut und macht glücklicher, wissenschaftlich nachgewiesen.

Meditation kann man lernen. Wirklich kompliziert ist es nicht.

Mingyur Rinpoche erklärt sehr unterhaltsam (auf Englisch) wie du deinen Affengeist unter Kontrolle bekommen kannst.

Bild Oran-Utan (Ausschnitt) von Ilya Yakubovich.

Die lebenswichtige Kunst der Entspannung

Wir haben die Fähigkeit verlernt, uns richtig zu entspannen. Das schrieb Vishnu-Devananda, ein großer Yogameister, vor fast sechzig Jahre.

Anscheinend haben wir das inzwischen noch nicht nachgeholt. Stress ist mittlerweile Volkskrankheit Nummer eins, und daher sind die Anregungen von diesem Yogameister noch immer hochaktuell. Am Wichtigsten ist: werde dir wieder bewusst über Anspannung im Körper und Geist. 

Er schreibt (etwas eingekürzt) folgendes über Stress und Entspannung:

stress_Treppe„Ein großer Teil der vom Körper produzierten Energie wird sinnlos vergeudet. Allein schon durch völlig unnötige Muskelanspannungen geht eine enorme Menge an Energie verloren… und deswegen sollte man, um körperliche und geistige Übungen richtig zu lernen, erst mal üben, sich zu beobachten, sich der Muskelspannungen bewusst zu sein und diese, wenn sie unnötig sind, vermeiden. Alle Yoga-Übungen basieren sich auf diesem Grundsatz.

Es gibt zwei Arten von Anspannung: körperliche und geistige. So spannen manche Leute sogar, wenn sie sitzen oder schreiben, völlig unnötig Schulter-, Arm-, Bein und Bauchmuskeln an. Das kostet Energie.

Schlimmer ist es mit unnötige geistig-emotionaler Anspannung. Unkontrollierte Emotionen können sehr schnell die im Körper vorhandene Energie aufbrauchen. Einige Minuten Ärger können mehr Energie kosten als ein ganzer Tag körperlicher Arbeit.

Richtige Entspannung verbraucht dahingegen fast keine Energie. Aber, nur wenige Erwachsene besitzen noch die Fähigkeit sich wirklich zu entspannen.

Genauso wie wir die Muskeln durch einen – bewussten oder unbewussten – Befehl zur Anspannung veranlassen, können wir die müden Muskeln auch durch einen Befehl entspannen. Dieser Entspannungsbefehl ist als Suggestion oder Autosuggestion bekannt. Er wird durch das Unterbewusstsein ausgeführt und sorgt so für Muskelentspannung.

Andauernde geistige Spannung infolge meist unnötiger Sorgen und Angst kostet mehr Energie als körperliche Spannung. Verfällt man in geistige Spannung, sollte man sich bewusst auf den Atem konzentrieren und ein paar Minuten lang langsam und rhythmisch atmen. Dadurch lässt sich geistige Spannung abbauen und man wird ruhiger.“

nach Swami Vishnu-Devananda,
Das Grosse illustrierte Yoga-Buch

Bild Treppe (angepasst):
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